Brief von Caldicott/Kaku/McReynolds

7. September 1999


Liebe Freunde,

Wir sind sehr besorgt. Der US-Kongreß und die Regierung Clinton sind auf dem besten Weg, demnächst ein gefährliches und immens teures Raketenabwehrsystem (BMD, Ballistic Missile Defense) zu stationieren. Im Juni 2000 soll Präsident Clinton dem US-Verteidigungsministerium die Genehmigung zur Stationierung erteilen. Star Wars is back, der Krieg der Sterne ist zurückgekehrt!

Der US-Kongreß gab vor einigen Monaten grünes Licht für die Stationierung eines Raketenabwehrsystems ‚sobald technisch machbar'. Bei der entsprechenden Abstimmung bekamen die Republikaner auch Unterstützung von zahlreichen Abgeordneten der Demokraten. Die Wahrscheinlichkeit, daß diese Entscheidung wieder aufgehoben wird, ist eher klein.

Uns bleibt nur eine Möglichkeit: Wir müssen so schnell wie möglich die Bewegung wieder mobilisieren, die in den 80er Jahren die Star Wars-Pläne von Ronald Reagan verhindert hat. Wir hoffen dabei auf Ihre Mitarbeit und Unterstützung.

Wir brauchen eine globale Graswurzel-Bewegung, um ein neues Wettrüsten im Weltraum zu verhindern. Die USA haben vor, Länder wie Japan, Taiwan, Südkorea, Israel und sogar die NATO-Staaten bei der Stationierung von Waffen im Weltraum mit ins Boot zu holen. Wir können diese Absicht nur vereiteln, wenn wir international zusammenarbeiten.

Seit einigen Wochen sind Mitglieder des Global Network in den USA, in Europa und in Asien unterwegs, um bei Graswurzelgruppen um Unterstützung zu werben. Wir würden uns freuen, wenn Sie unseren Aktionsaufruf unterstützen. Das Global Network organisiert momentan mehrere Aktionen für das Jahr 2000, um die Opposition gegen dieses neue Wettrüsten zu stärken.

Im Mittelpunkt unserer Pläne stehen die Tage vom 14. bis 17. April 2000 in Washington D.C. in den USA. US-Präsident Clinton soll im Juni 2000 über die Stationierung von BMD entscheiden. Daher halten wir es für wichtig, die Proteste der Graswurzelbewegung in den Kongreß zu tragen. Wir hoffen auf Ihre Unterstützung bei den folgenden Aktionen:

  • Freitag, 14. April:
    Wir halten eine gewaltfreie Kundgebung vor dem Finanzministerium ab, um auf die enorme Verschwendung von Steuergeldern für den Krieg der Sterne aufmerksam zu machen. Bislang wurden schon mehr als US$ 100 Milliarden für die Entwicklung von Weltraumwaffen ausgegeben, gleichzeitig wird bei den Sozialausgaben aber ständig gespart. Nach der Kundgebung ziehen wir zum Weißen Haus direkt nebenan, damit auch Präsident Clinton von unserer Forderung erfährt: "Nein zur Raketenabwehr, Nein zum Krieg der Sterne."
  • Samstag, 15. April:
    "Star Wars Revisited" - eine internationale Konferenz zur Verhinderung eines Wettrüstens im Weltraum. An diesem Tag informieren wir über die US-amerikanischen Pläne, "Masters of Space" (Herren des Weltraums) zu werden. Persönlichkeiten, die sich für die friedliche Nutzung des Weltraums engagieren, haben zugesagt, als RednerInnen aufzutreten.
  • Sonntag, 16. April:
    Damit wir im Kongreß unsere Meinung überzeugend vertreten können, erhalten wir morgens ein Training in Lobby-Arbeit. Danach trifft sich das Global Network zur Planung der internationalen Strategie zur Verhinderung des Kriegs der Sterne.
  • Montag, 17. April:
    Lobby-Tag im Kongreß, um den Protest gegen den Krieg der Sterne und die Raketenabwehrpläne zu vermitteln. Friedensgruppen aus der ganzen Welt beteiligen sich an einer eintägigen Mahnwache vor dem Kapitol.

Natürlich dürfen wir uns nicht der Illusion hingeben, daß wir mit unseren Aktionstagen im April das Problem lösen könnten. Wir stehen vor einer drastischen Eskalation des Wettrüstens und müssen unbedingt auf lokaler und internationaler Ebene die Friedensbewegung stärken. Das erfordert Zeit und Geduld - aber auch Zielstrebigkeit und Hartnäckigkeit.

Bis zu den Aktionstagen in Washington D.C. im April 2000 werden die Mitglieder des Global Network ihr Bestes tun, um die Öffentlichkeit aufzuklären und auf die Politiker Druck auszuüben. Uns ins bewußt, daß es viele dringliche Themen gibt. Vielleicht finden Sie aber eine Möglichkeit, das Wettrüsten im Weltraum in Ihre laufende Arbeit mit einzubeziehen. Kündigen Sie die Aktionstage in Ihren Rundschreiben oder Zeitschriften an. Wir würden uns außerdem freuen, wenn Sie bzw. Ihre Gruppe sich dazu entschließen könnten, als UnterstützerIn der Aktionstage aufzutreten. Die UnterstützerInnen werden auf unseren Unterlagen für die Aktionstage genannt.

Das US Space Command (US-Weltraumkommando) kündigt in einer Broschüre mit dem Titel "Vision for 2020" (Vision für das Jahr 2020) an, daß es US-amerikanische Interessen und Investitionen durch die Dominanz auf der Erde und im Weltraum schützen will. Das Raketenabwehrsystem ist angeblich zwar rein "defensiv", dient aber als Türöffner für Forschung, Entwicklung und Stationierung von Weltraum-gestützten Waffen, mit deren Hilfe die USA die weltweite Dominanz sicherstellen wollen. Wir hoffen, daß Sie mithelfen, eine Protestbewegung aufzubauen und die Nutzung des Weltraums für kriegerische Zwecke zu verhindern. Wir treffen Sie hoffentlich im April 2000 in Washington!

Für Frieden im Weltraum!

Dr. Helen Caldicott
Australien

Prof. Dr. Michio Kaku
USA

David McReynolds
USA

Übersetzung durch Regina Hagen
Helen Caldicott ist Gründungspräsidentin der Physicians for Social Responsibility (Ärzte in sozialer Verantwortung);
Michio Kaku ist Physikprofessor an der New York City University;
David McReynolds ist Präsident der War Resisters League


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