Gefahr durch Nukleartechnologie im Weltraum?

3 February 2003

http://www.jungewelt.de/2003/02-03/016.php

 

Absturz der Raumfähre Columbia über Texas: Gefahr durch Nukleartechnologie im Weltraum?

Interview: Thomas Klein

jW fragte Regina Hagen (Darmstädter Friedensforum), Sprecherin der deutschen Sektion des Globalen Netzwerks gegen Waffen und Kernenergienutzung im Weltraum

F: Sie warnen nach dem Unfall des Space Shuttles »Columbia« vor nuklearen Weltraummissionen. Hatte denn die Raumfähre einen Atomreaktor an Bord?

Davon ist nicht auszugehen. Zur Zeit verwendet die US-Weltraumbehörde NASA Nukleartechnologie nur bei unbemannten Forschungsmissionen auf den Mars und ins äußere Sonnensystem.

F: Warum dann jetzt diese Warnung?

Das Unglück ruft schlaglichtartig in Erinnerung, daß die inzwischen schon so selbstverständlich gewordene Raumfahrt nach wie vor erhebliche Risiken birgt. Die NASA geht von einer Unfallwahrscheinlichkeit von eins zu 30 aus, wobei nicht jeder Unfall tödliche Folgen haben muß. Doch die Warnungen vor giftigen Trümmerstücken und der Absturz eines großen Shuttle-Stücks auf ein Wohnhaus weisen auf die Gefahren hin, die dabei auch für die Allgemeinheit entstehen.

Diese Gefahren steigern sich ins Unermeßliche, wenn Nukleartechnologie in der Raumfahrt zum Einsatz kommt. Wiederholt haben das Globale Netzwerk und zahlreiche Wissenschaftler darauf hingewiesen, daß aus diesem Grunde jegliche Weltraummissionen, die zur
Energieerzeugung an Bord oder für den Antrieb die Nutzung von Nukleartechnologie erfordern, nicht verantwortbar sind.

F: Sind derartige Missionen in nächster Zeit geplant?

Leider ja, bereits für Mai und Juni 2003 plant die NASA zwei Erkundungsmissionen zum Mars, bei denen Instrumente mit kleinen nuklearen Heizelementen gegen die extreme Kälte des Weltraums geschützt werden sollen. Außerdem soll im Jahr 2006 die Mission Pluto-Kuiper-Belt der NASA starten. Für die Energieversorgung bei der Erkundung des fernliegenden Planeten Pluto soll ein Generator mit zwölf Kilogramm Plutonium-238 zum Einsatz kommen. Und schließlich arbeitet die US-Weltraumbehörde an der Entwicklung einer Rakete mit nuklearem Antrieb, um die Flugzeit zum Mars zu verkürzen. Der Haushaltsentwurf für das Jahr 2004 sieht entsprechende Gelder für das sogenannte Project Prometheus vor.

F: Regt sich gegen diese Projekte auch in den USA Protest?

Ja. Heute und morgen protestiert das Globale Netzwerk wieder gegen das jährlich stattfindende Symposium »Space Nuclear Power & Propulsion« in Albuquerque, Neu Mexiko. Unser Protest richtet sich aber nicht grundsätzlich gegen Raumfahrt, sondern gegen Missionen, die unverantwortliche Technologie nutzen bzw. gegen Pläne für die Bewaffnung des Weltraums, wie z.B. die Raketenabwehr. Wir fordern »Raketen abrüsten statt abwehren« und protestieren gegen die Absicht des US-Weltraumkommandos, militärische Dominanz auch im Weltraum zu erlangen.

* Informationen: www.pressehuette.de



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